Pulsierender Konzertabend (Baden-Baden, 11.11.06)
Schlagzeuger Jochen Schorer und Philippe Ohl bieten grandiose Leistung
Das "Duo Pulsion" trägt seinen Namen zu Recht: Wenn die schlagzeuger Jochen Schorer und Philippe Ohl einen Abend lang ihr Instrumentarium aus Marimba- und Vibraphon, aus Holz-, Metall- und Fellinstruementen bearbeiten, dann ist dies tatsächlich ein durchgängiges Pulsieren, das dem Publikum beste Unterhaltung beschert.
Beim jüngsten SWR-Kammerkonzert im Museum Frieder Burda wurden die beiden mehrmals auf das Podium gerufen, und schienen auch nach hochkonzentrierten zwei Stunden keineswegs erschöpft.
Ein weiches Schwingen bereitete den Boden für den Abend: "Zapateado" von Jaime Padros (ursprünglich für zwei Klaviere geschrieben) legte ein Muster aus insistierenden Marimba-Rhythmen, die sich verdichten und manchmal aufbrechen, sobald eines der Instrumente eine neue Richtung einschlägt.
Vier Uraufführungen gab es ausserdem. Zum Beispiel "Tombeau" von Uwe Kremp, der hier sämtliche Klangflächen und Grundmuster auslotet, die mit Holz und Fellinstrumenten möglich sind (...)
Nach diesem sehr farbigen Stück hinterliess "Strange Loops" von Dennis Kuhn einen sehr linienhaften Eindruck; die Linien der beiden Marimbas verdichten sich zeitweise zu komplexen Mustern und erscheinen manchmal als lockeres Gewebe, dann wieder als einzelne Klangfäden aus fliessenden Gegenbewegungen. Zwischendurch wird der Fluss von Akkorden angehalten, was dem Stück stellenweise eine reizvolle Schwere gibt.
Schlieslich kamen die beiden Akteure des Abends mit eigenen Werken selbst zu Wort: Jochen Schorer komponierte eine "H2(F)Onie", eine orginelle, sehr unterhaltsame "Wassermusik". Schon das Instrumentarium (Kuhglocken, die über Plastikwannen gespannt sind) wirkte vielversprechend: Da entfalteten sich aus plätscherndem Wasser Tonreihen in schwingende Rhythmen, dazu werden Gläser gerieben, die Kuhglocken mit Spritzpistolen bearbeitet, ein Kleidungsstück ruckartig aus dem Wasser gezogen.
Philippe Ohl arbeitet in "Vibronics I und II" mit Elektronik, setzt Per Nørgards "Re-Percussion" dazwischen: Hier werden die Klänge mikrotonal verschoben oder gegeneinander gerieben, ganze Klangketten schnellen plötzlich empor und Nørgards Stück verdichtet das alles zu einem heftigen Schlagabtausch.
Der Schluss des Programms war sinnlich wie nächtliche Barmusik; Anders Koppels "Toccata für Vibraphon und Marimbaphon" liess unter weichen, differenzierten Rhythmen Tango- und Wlazerklänge aufblitzen: Ein grossartiges Programm und eine grandiose Leistung, die noch von zwei Ravel-Zugaben gekrönt wurde.
(cg) Baden-Badener Tagblatt, 13. November
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